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Mittwoch, 23. April 2014

Chardonnay-Weine aus Frankreich und der Welt

Chardonnay, ein Wein aus Frankreich, der Karriere machte

Begonnen hat alles in einem kleinen Dorf im französischen Burgund namens Chardonnay. Zumindest glauben das die Weinexperten. Doch sie wissen natürlich nicht, wie die Traube, die später einen der bekanntesten Weißweine der Welt werden sollte, nach Chardonnay kam…


Doch es ist möglich, dass sie wirklich in Chardonnay entstand. Denn viele Experten gehen davon aus, dass der Chardonnay aus einer natürlichen Kreuzung zwischen Gouais und Pinot hervorgegangen ist. Es scheint auch, dass seine Weinstöcke genetische Übereinstimmungen mit anderen Weinen aus Burgund aufweisen.

Man weiß dagegen sicher, ist dass es Mönche waren, die den Chardonnay überall in Frankreich verbreitet haben - und das, obwohl die Chardonnay-Rebe nicht unbedingt zu den unempfindlichsten Weinarten gehört. In nördlichen Gegenden ist das Hauptproblem ihre frühe Reife. Denn frühe Reife im Herbst - was den Winzern natürlich gefällt - bedeutet natürlich frühes Sprießen der Blätter und frühe Blüte. In südlichen Gefilden bereitet diese Eigenschaft nur selten Probleme. In nördlicheren Lagen, dagegen, wo der Morgenfrost sich oft noch spät im Frühling bemerkbar macht, können die Chardonnay-Reben schwere Schäden erleiden.

Man könnte davon ausgehen, dass die frühe Reife des Chardonnay ihn zu einem idealen Mittelmeerwein macht. Doch dort gibt es ein anderes Problem: der Chardonnay aus dem Languedoc oder der Provence ist anfällig auf zu große Trockenheit. Dabei ist es natürlich günstig, dass er früh zur Blüte kommt, zu einer Jahreszeit, wo auch in Südfrankreich noch mit Regen und Morgentau zu rechnen ist - aber in manchen Jahren auch noch mit Morgenfrost.

Trotz dieser Probleme wurde der Chardonnay weltbekannt, als die Farmer im Amerika des 19. Jahrhunderts nach neuen Möglichkeiten suchten, ihren eigenen Wein anzubauen. Sie importierten einen Großteil ihrer Rebsorten aus Frankreich, dem Land, das in ihren Augen den besten Wein der Welt hervorbrachte: Wein aus Frankreich galt in den amerikanischen Kreisen dieser Zeit als höchster Luxus. Zu den importierten Rebsorten gehörte auch der Chardonnay, der sich schnell an das neue Klima anpasste und hielt, was er in Frankreich versprochen hatte.

Inzwischen ist Chardonnay aus den großen wie auch den „kleinen“ Weinen nicht mehr wegzudenken. Die Rebsorte wird zu Champagner verarbeitet, geht in die großen Burgunder-Weine ein und wird, vor allem im Languedoc, als sortenreiner Weißwein gekeltert.

Die größten Chardonnay aus Frankreich - oder der Welt - findet man jedoch jedes Jahr im März auf Château des Ravatys, einem Weingut, das zum Institut Pasteur in Saint Lager im Bezirk von Burgund gehört. Saint Lager mag als kleine Stadt gelten, doch sie hat den seltenen Titel einer „internationalen Weinreben- und Weinstadt“. Hier findet die „Qualitäts-Gegenüberstellung der besten Chardonnay der Welt“ (Confrontation qualitative des meilleurs Chardonnay du Monde) statt. Zum Erstaunen der Freunde von Wein aus Frankreich, sind die französischen Chardonnay nicht die einzigen, die eine Goldmedaille mit nach Hause nehmen: im März 2014 gingen acht Goldmedaillen nach Frankreich, zwei nach Südafrika, und je eine nach Kanada, China, Australien, Schweiz, Spanien, Slowenien und in die Tschechische Republik.

Copyright: Sandra Winters

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Wein aus Roussillon: Verbot von Chaptalisieren

Unruhe im Milieu der Weine aus Roussillon: keine Sondergenehmigung für Zuckerzusatz

Die einen reden von Ungerechtigkeit. Die anderen überlegen nur, wie sie ihren Wein - zur Not künstlich - verbessern können. Und die dritten denken an die Qualität, die natürliche Qualität, ihres Weines.

Wieder einmal gibt es Ärger im Milieu der Weine aus Roussillon. Und wieder einmal geht es um das Chaptalisieren, die Anreicherung von Wein mit Zucker.

In der Regel gehen die Weinliebhaber natürlich davon aus, dass ihr französischer Wein zu hundert Prozent aus gegorenem Rebsaft besteht. In der Regel ist das natürlich auch wahr - doch manchmal gärt der Rebsaft nicht so, wie der Winzer es sich wünschen würde. - Und dann tritt das Chaptalisieren als Retter auf.

Unter Chaptalisieren versteht man die Anreicherung des Weines mit Zucker. Ihr Name weißt auf Jean-Antoine Chaptal hin, einen französischen Chemiker und gleichzeitig Minister, der den Prozess - mit Hilfe der wissenschaftlichen Arbeit des Geistlichen François Rozier - erfunden, oder vielmehr entdeckt, hat. Er beruht auf der Erkenntnis, dass es der natürliche Zucker im Wein ist, den ihn zum gären bringt und einen gewissen Alkoholgehalt entwickelt. Je mehr Zucker ein Wein enthält, je höher wird sein Alkoholgehalt.

Doch nicht jeder Wein hat genügend natürlichen Zucker, um einen befriedigenden Alkoholgehalt entstehen zu lassen. Denn der Zucker entwickelt sich mit dem Reifeprozess, der wiederum direkt mit der Sonneneinstrahlung in Zusammenhang steht. Das Klima von Nordfrankreich, zum Beispiel, kann nicht genügend Sonnenstunden garantieren, damit der Wein wirklich ausreift. So ist Antoine Chaptal auf die Idee gekommen, man könnte eine Art künstliche Gärung herbeiführen, indem man dem Wein zusätzlichen Zucker beifügt. Man hat ausgerechnet, dass knapp 17 Gramm Zucker auf einen Liter Wein den Alkoholgehalt um ein Grad erhöhen.

Wenn es also kein Chaptalisieren gäbe, müsste man auf den Wein aus dem Rhone-Tal, Burgund und dem Elsass weitgehend verzichten. So gehört die künstliche Beifügung von Zucker für die Winzer aus dem Norden Frankreichs inzwischen zum Wein-Alltag. Anders sieht es in südlichen Gebieten aus. Die Sonneneinstrahlung ist dort so intensiv, dass Chaptalisieren einfach nicht nötig ist.

Meistens. Außer in ausgesprochen schlechten Jahren. Und da fängt der Streit dann an.

Die europäische Regelung hinsichtlich des Chaptalisieren teilt die französischen Weine in drei Gruppen. Die erste und zweite Gruppe darf grundsätzlich Zucker beifügen, auch wenn die Zuckermengen rechtlich begrenzt sind. Die dritte Gruppe dagegen darf den Wein nur in besonders kritischen Jahren mit Zucker versetzen, in sehr geringer Menge, und auch nur nach Anfrage bei den entsprechenden Behörden.

Zu dieser dritten Gruppe gehören alle südlichen Weingebiete, die Provence, Languedoc, die Weine der Pyrenäen bis nach Bordeaux. Der Unterschied zwischen den Mitgliedern dieser Gruppe ist nur, dass die Genehmigungen nicht überall gleichmäßig erteilt werden. In Bordeaux, zum Beispiel, wo das Klima zwar noch wärmer ist als im Norden Frankreich, aber unter dem kühleren Einfluss des Atlantik und nicht des Mittelmeeres steht, geht man davon aus, dass der Wein im Durchschnitt nur alle drei Jahre ausreift. Die "Sondergenehmigungen" zur Chaptalisieren sind also häufig.

Anders sieht es aus für den Wein aus Roussillon. Dieses Gebiet, wo der südlichste französische Wein wächst, kann sich in der Regel nicht über Mangel an Sonneneinstrahlung beklagen. Doch es gibt auch hier Ausnahmejahre - wo dann das Chaptalisieren helfen würde, das Jahreseinkommen der Winzer zu retten.

Im Jahre 2012 war es mal wieder soweit. Die Weinlese fand erst spät statt, viele Trauben waren nicht vollständig ausgereift. Die Winzer sorgten sich um die Qualität des Weines aus Roussillon und erbaten die Genehmigung zu Chaptalisieren... die, wie immer, prompt abgelehnt wurde. Die Behörden gehen davon aus, dass der Wein aus Roussillon selbstständig, nur mit Hilfe des Bodens und der Sonne, in der Lage ist, einen optimalen Alkoholgehalt zu entwickeln. Die Winzer reden von Ungerechtigkeit - und die Freunde von Roussillon-Wein von einem hundertprozentig reinen Wein... Denn ohne Chaptalisieren besteht der Wein wirklich aus dem, was man glaubt - aus dem Saft der Rebe.
Copyright: Sandra Winters

Dienstag, 3. Dezember 2013

Französischer Wein: Wein aus Languedoc

Was halten die Kölner von französischem Wein aus Languedoc?

Mittag im Herzen von Köln, an einem ganz normalen Werktag, auf einem der zahlreichen Weihnachtsmärkte der Stadt. Viele Leute haben es offenbar eilig, doch sie nehmen trotzdem den Weg über den Markt, vielleicht um sich an der festlichen Atmosphäre zu erfreuen. Andere lassen sich Zeit, bummeln von Stand zu Stand, trinken einen heißen Kakao oder einen Glühwein. Es ist kalt, aber das muss so sein, vor Weihnachten.

Das Team von Weine in Frankreich erfreut sich auch an der Weihnachtsstimmung. Aber es ist vor allem gekommen, um mit den Leuten auf dem Markt zu reden: über französischen Wein und, vor allem, über Wein aus Languedoc.

Denn jeder in Köln kennt wohl französischen Wein, Bordeaux, Burgunder... Aber wer kennt den Wein aus Languedoc? Er wird zwar innerhalb Frankreichs immer bekannter und verliert langsam seinen alten Ruf, keine sehr große Qualität zu haben - auch wenn ein Ruf festklebt selbst wenn er schon lange nicht mehr der Wahrheit entspricht - so ist er außerhalb  des Landes doch noch nicht sehr bekannt.

"Wein aus Languedoc?", reagiert auch gleich ein Mann in den Fünfzigern, der, wie er erklärt, in seiner Mittagspause gern über den Weihnachtsmarkt schlendert. "Wo liegt denn das?" Das Team von "Weine in Frankreich" gibt ihm einige Stichworte: Frankreich, Mittelmeer, Montpellier. "Ah", sagt darauf der Herr, "ja, ich weiß, wo Montpellier liegt. Klar, dort gibt es ja auch Wein. Und ich habe auch schon welchen getrunken, dort, auf einer Autobahnraststätte." Und wie schmeckte ihm dieser Wein? "Ich erinnere mich nicht mehr."

Der nächste Befragte, ein Mann etwa zehn Jahre jünger als sein Vorgänger, weiß immerhin schon, dass es Weine aus Languedoc gibt. "Ja, französische Weine", seufzt er genießerisch. "Die sind schon gut. Nichts wiegt einen guten Bordeaux auf, Latour oder Mouton Rothschild." Hat er denn schon Wein aus Languedoc gekostet? - Er schüttelt den Kopf. "Nein. Ich trinke nur so richtig guten Wein."

Er wird auch gefragt, woher er denn wisse, dass Languedoc-Wein kein so "richtig guter" französischer Wein sei, wenn er ihn noch nicht gekostet hätte. Doch er zuckt nur mit den Achseln und wiederholt: "Ich trinke nur guten Wein."

Eine etwas jüngere Frau kennt sich dagegen aus. "Ich habe eine Freundin in der Nähe von Montpellier", erzählt sie, "die besuche ich hin und wieder. Und bei ihr gibt es sehr guten Wein, Pic Saint Loup, Chardonnay, Saint-Chinian..." Und auf die Frage, welches ihr französischer Lieblingswein sei, antwortet sie: "Oh, das kann man schlecht sagen. Sie sind so unterschiedlich. Und so viele sind so gut."

Ein Mann, ebenfalls in den Fünfzigern, ist Experte. "Ja, ich kenne den Wein aus Languedoc. Sogar sehr gut. Es gibt dort einige Spitzenweine, die es mit jedem anderen französischen Wein aufnehmen können. Außerdem sind sie billiger als Burgunder-Weine oder Weine aus dem Elsass. Oder natürlich Bordeaux. Ich meine, ihr Preis-Leistungsverhältnis ist weitaus besser. Aber das wird nicht lange so bleiben", fügt er hinzu, "noch kennt kaum einer den Wein aus Languedoc und man muss keinen großen Namen bezahlen. Aber in einigen Jahren wird dieser Wein bekannt sein, und dann wird er genauso teuer, wie andere französische Weine."

Eine Frau in seinem Alter hat auch schon Languedoc-Wein getrunken. "In den Ferien", erklärt sie, "fahren wir öfter nach Südfrankreich. Dort ist die Küste nicht ganz so touristisch wie in Spanien. Und ich kann mein altes Französisch ein bisschen aufpolieren." Dort hat sie auch den Wein aus Languedoc gekostet. "Ich mag ihn gern", sagt sie, "er schmeckt so angenehm fruchtig und erinnert an das Mittelmeer. Aber das liegt ja vielleicht auch an der Ferienstimmung. Hier trinke ich nur selten Wein..."

Ein Student - etwa 25 Jahre alt - macht genießerische Augen. "Oh ja, wir trinken oft Rotwein aus Languedoc. Fougères. Oder Pic Saint Loup. Er ist sehr gut." Und trinkt er auch Weiß- oder Rosé-Wein aus dem Languedoc? "Rosé? Weißwein? Keine Ahnung. Ich dachte, am Mittelmeer gäbe es nur Rotwein."

Insgesamt kannten etwa 45 Prozent der Befragten den Wein aus Languedoc zumindest vom Hörensagen, etwas über 35 Prozent hatte ihn schon gekostet. Fast alle waren sich einig, dass er sehr gut schmeckt, doch etwa die Hälfte behauptete, es gäbe in Frankreich noch weitaus bessere Weine, aber die wären in der Regel unerschwinglich.
Copyright: Sandra Winters

Montag, 2. Dezember 2013

Französischer Wein - Wein aus Frankreich

Ist jeder Wein aus Frankreich ein französischer Wein?

Kein Zweifel - französischer Wein ist seit Jahrhunderten ein Begriff für Qualität, in Deutschland, in Europa, in der ganzen Welt. Aber... was versteht man eigentlich unter "französischem Wein". Ist jeder Wein aus Frankreich ein französischer Wein? Und kommt jeder französische Wein aus Frankreich?

Die zweite Frage ist leicht zu beantworten. Ein Wein, der nicht auf französischem Boden gewachsen und in Frankreich gekeltert wurde, darf nach internationalem Recht nicht französischer Wein genannt werden. Genauso wie ein Schaumwein - unabhängig von seiner Qualität - das Etikett "Champagner" nur tragen darf, wenn er im offiziell erklärten Gebiet des Champagners gelesen und hergestellt wurde. Das gleiche gilt für alle Weine, die das Label einer geschützten Herkunftsbezeichnung tragen.

Die erste Frage ist dagegen komplizierter als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Ist jeder Wein aus Frankreich wirklich ein französischer Wein? - Was die Herkunftsbezeichnung angeht, natürlich. Jeder Wein der auf französischem Territorium produziert wird ist, rechtlich gesehen, ein französischer Wein. Doch in den Augen vieler Deutscher oder Amerikaner, ist nicht jeder Wein aus Frankreich wirklich ein französischer Wein. Denn sie haben sehr klare Ansichten über das, was sie unter französischem Wein verstehen.

Auf die Bitte, spontan einen französischen Wein zu nennen, antworten die meisten deutschen Weinliebhaber automatisch "Bordeaux" oder "Burgunder". Und wenn sie zwischen einem mittelmäßigen Bordeaux und einem ausgezeichneten Wein aus Languedoc zu wählen haben - natürlich ohne die Preise der Flaschen zu kennen - so wählen die meisten immer noch den Bordeaux.

Doch so unterschiedlich die Weine auch sein mögen, französische Weine sind nicht beschränkt auf Bordeaux und Burgunder. Ein Wein aus Frankreich, der die Qualität aufweist, die man traditionell von ihm erwartet, kann aus jedem beliebigen Weinbaugebiet auf französischem Boden kommen.

Der wesentliche Unterschied zwischen den verschiedenen Weinen von Frankreich hängt nicht unbedingt von den Rebsorten ab, sondern vom Boden und vom Klima. Die Gebiete rund ums Mittelmeer, der Wein aus Languedoc, Roussillon und Provence, profitieren von einer weitaus höheren Sonneneinstrahlung als die Gebiete weiter nördlich, das Rhone-Tal mit den Rhone-Weinen, dem Burgunder und dem Beaujolais, oder als der Bezirk von Bordeaux, im Südwesten von Frankreich, wo der Einfluss des Atlantik vorherrscht.

Diese höhere Sonneneinstrahlung im Gebiet des Weines von Languedoc, Roussillon und Provence bedeutet aber nicht nur schnellere und sicherere Reife der Trauben, sondern auch größere Trockenheit. So können im Süden von Frankreich ausschließlich Rebsorten verwendet werden, die Trockenheit und entsprechend arme Böden vertragen. In Bordeaux dagegen und im Rhone-Tal müssen die Böden in der Lage sein, größere Regenmengen zu absorbieren ohne dass der Wein verwässert wird.

Dazu kommt, dass das Problem der Reife der Trauben in Bordeaux und den nördlichen Gebieten größer ist als für den Wein aus Languedoc, Roussillon oder Provence. Die Weinstöcke sind im Mittelmeergebiet äußerst selten dem gefürchteten Frühjahrsfrost ausgesetzt. Selbst spät reifende Weine können ruhig ausreifen und die Winzer eine späte Weinlese programmieren, da das Wetter in der Regel bis Ende Oktober warm und sonnig bleibt.

Die Klimafragen und die damit verbundene Verschiedenheit der Böden haben natürlich großen Einfluss auf den Geschmack des Weines. So findet man im Mittelmeergebiet öfter starke, gut ausgewogene Tannins, die die Zeit haben, voll auszureifen. Es liegt auch am Klima, dass es im Languedoc, Roussillon oder in der Provence weniger schlechte Weinjahre gibt als in Bordeaux, wo ein Regenguss im falschen Moment - zum Beispiel bei der Weinlese - oder eine zu frühe Frostnacht die Hoffnungen eines ganzen Jahres zunichte machen kann.

Copyright: Sandra Winters

Mittwoch, 13. November 2013

Biowein aus Frankreich - der Unterschied

Ist Biowein aus Frankreich gesünder, schmeckt er besser und ist er teurer als herkömmlicher französischer Wein?

Die erste Frage, die man sich im Zusammenhang mit Biowein aus Frankreich stellen sollte, ist vielleicht ganz einfach: Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Natürlich. Vor allem im Hinsicht auf die Gesundheit. Zunächst einmal die Gesundheit des Winzers. Es wurde in den letzten 40 Jahren immer wieder festgestellt, dass viele Winzer in Frankreich einer Art "Berufskrankheit" zum Opfer fallen. Wie man nach weitergehender Untersuchung erfuhr, handelte es sich ausschließlich um Winzer, die ihren Wein selbst behandeln - das heißt, auf ihrem Traktor saßen und Pestizide versprühten.

Natürlich kommt niemand auf die Idee, eine solche Behandlung bei Wind zu planen... Die Wirklichkeit ist jedoch nicht immer so, wie man gern möchte. Was macht man, wenn die Wettervorhersage für einen bestimmten Tag gut war, man alles bereitgestellt hat, alle anderen Arbeiten und Verabredungen abgesagt wurden, man vielleicht sogar einen Traktor gemietet hat - und dann ist es doch windig?

In solch einer Situation wird so mancher Winzer "trotzdem" spritzen. Und ein klein wenig Wind reicht aus, um eine Ladung Pestizide ins Gesicht zu bekommen.

Dies allein ist für so manchen schon ein Grund, lieber Biowein zu produzieren. Die Statistiken sagen übrigens, dass zwanzig Prozent der in Frankreich angewendeten Pestizide auf den Wein gespritzt werden.

Doch es geht nicht nur um die Gesundheit des Winzers. Der Biowein-Trinker konsumiert zum Beispiel weitaus weniger Sulfit. Denn schon mit Biowein hat man die vom Weltgesundheitsdienst festgelegte Höchstgrenze von 0,7 mg pro 1 kg Körpergewicht nach etwa zwei Gläsern quasi erreicht - und das, obwohl der Biowein zwischen 30 und 40 Prozent weniger Sulfit beinhaltet, als der "herkömmliche" Wein.

Die Diskussion zwischen Anhängern des herkömmlichen Weins und des Bioweins dreht sich allerdings immer noch um die Frage, ob nur der Wein aus biologischem Anbau stammen muss, oder ob auch die Weinverarbeitung nach biologischem Prinzip verlaufen sollte. Tatsächlich wurden die Regeln über den Anbau von biologischen Trauben in den letzten Jahren ständig verschärft. So dürfen zum Beispiel nur noch Pferdedung oder Gesteinsmehl als Düngemittel verwendet werden. Gegen die Reblaus ist nur Kupferkalkbrühe, die sogenannte "Bordeaux-Brühe" erlaubt, und es ist absolut verboten, Feuer gegen Schädlinge zu legen, weil dies das Gleichgewicht des Ecosystems stören würde.

Die ersten Regeln über die Produktion von Biowein in Frankreich wurden jedoch erst 2012 veröffentlicht. Zu ihnen gehört, dass der Wein nicht mit Maschinen geerntet werden und ausschließlich in Eichenfässern heranreifen darf.

Aber um auf die Frage zurückzukommen, ob es einen Unterschied zwischen französischem Biowein und herkömmlichem Wein gibt - von den Gesundheitswerten abgesehen, wohl kaum. Lange hieß es, der Geschmack von Biowein käme nie an den von herkömmlichem Wein heran. Diese Legende wurde "entlarvt", als einige große Weingüter aus Bordeaux und Burgund zugaben, schon lange zumindest biologisch angebauten - wenn nicht auch biologisch produzierten - Wein zu liefern, ganz einfach um sich nicht den Gesundheitsrisiken der Winzer auszusetzen. Nach diesem Geständnis konnte keiner mehr behaupten, Biowein könnte nicht die höchsten Genüsse eines französischen Spitzenweins verschaffen.

Das andere Vorurteil gegen Biowein aus Frankreich ist der Preis - man sagt, Biowein wäre teurer. Dies mag zutreffen für die Weine der niedrigsten Kategorie. Ein einfacher Landwein, der nach biologischen Verfahren produziert wurde, kann nie so billig sein wie ein Billig-Kaufhauswein, der nicht auf Geschmack, sondern ausschließlich auf Menge setzt.

Doch sobald die Rede ist von einem Wein, den man mit gutem Gewissen als französischen Wein bezeichnen kann - selbst wenn er nicht in die höchste Kategorie gehört, ist Biowein aus Frankreich schon längst nicht mehr teurer als vergleichbare herkömmliche Weine.
Copyright: Sandra Winters

Mittwoch, 6. November 2013

Cabernet Sauvignon und Merlot, französischer Wein gegen Kalifornien

Wie ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignon und Merlot die französischen Weine in den Schatten stellte 


Normalerweise war es von vornherein klar, welcher Wein beim Jugement de Paris, der wohl berühmtesten Weinprobe der Welt, den Sieg davontragen würde. Bei den Weißweinen gewannen manchmal - wenn auch nur selten - amerikanische Weine, doch der Preis für den besten Rotwein blieb quasi immer in Frankreich, und meistens ging er nach Bordeaux. 

Aber 1976 war plötzlich alles anders. Alle hatten auf Mouton Rothschild gesetzt, doch Sieger unter den Rotweinen wurde ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignan und Merlot, der von einem quasi unbekannten Weingut aus Kalifornien, Stag's Leap Wine Cellars, und dessen Eigentümer Warren Winiarski präsentiert wurde.

1976 war in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr. Im Mai, als der Wettbewerb stattfand, ahnte man schon, dass ein extrem heißer Sommer bevorstand. Man wusste dagegen noch nicht, dass ein Dauerregen zur Zeit der Weinlese quasi den gesamten Bordeaux des Jahres verderben sollte.

Der Rotwein, jedoch, der von Mouton Rothschild präsentiert wurde, hatte nichts mit dem misslungenen 1976er zu tun. Die besten Rotweine, die in der Ausscheidung lagen, stammten von 1970, einem großen Weinjahr und 1971, das auch sehr gut ausfiel. Deshalb waren alle erstaunt, als plötzlich von einem kalifornischen Siegerwein aus Cabernet Sauvignon und Merlot die Rede war. Der Mouton Rothschild hatte stolze 126 Punkte ergattert - der unbekannte Rotwein von Warren Winiarski kam dagegen auf 127,5... Und auch, wenn nur vier von den insgesamt elf Schiedsrichtern ihn zum besten Rotwein des Wettbewerbs erklärt hatten, so erhielt er doch die meisten Punkte.

Warren Winiarski sollte seinen Sieg jedoch nicht voll auskosten können. Schon kurz nach dem Ereignis erhielt er anonyme Briefe, die ihn anschuldigten, einfach "Glück" gehabt zu haben - und nicht etwa einen guten Wein. Eine der Schiedsrichterinnen, die für kalifornischen Wein gestimmt hatte, behauptete, die Ergebnisse der Ausscheidung wären gefälscht worden. Ein amerikanischer Journalist, George M. Taber, der sich auf große Weine spezialisiert hatte, veröffentlichte einen Artikel über den Wettbewerb in der Time, was ihm Ärger mit der französischen Weinindustrie einbrachte. Die New York Times schrieb, dass kalifornischer Wein im Allgemeinen oft besser sei als der französische, was die Franzosen jedoch nie zugeben würden. Und die französische Presse schwieg den Wettbewerb einfach tot - außer dem Figaro, der drei Monate später behauptete, die Ausscheidung wäre absolut lächerlich gewesen, und suggerierte, dass die Preisrichter nicht in Form gewesen seien.

Tatsächlich hatten die Richter sich nicht von ihrer kompetentesten Seite gezeigt - zumindest am Anfang der Ausscheidung, als es um Weißweine ging. Denn um ihre Neutralität zu garantieren, wurden die Weine in Flaschen ohne Etikett abgefüllt. Die Schiedsrichter wussten also nicht, ob sie es mit einem französischen oder kalifornischen Wein zu tun hatten - aber das machte ihnen keine Sorge. Sie waren überzeugt, nur an einem Wein riechen zu müssen, um seine Herkunft bestimmen zu können...

...doch sie hatten sich geirrt. Schon der erste Wein, ein französischer Bâtard-Montrachet, wurde von den meisten für einen Kalifornier gehalten. Und das Verwirrspiel ging weiter, bis letztendlich ein kalifornischer Wein, Château Montelena, den Sieg davontrug. Die Schiedsrichter waren schockiert über ihre Irrtümer in der Bestimmung des Herkunftslandes der Weine, die französischen Weinliebhaber zeigten sich entsetzt. Wenn der Sieger unter den Weißweinen, schon kein Franzose war, so musste zumindest der beste Rotwein aus Frankreich stammen. Die Richter begannen also, die Rotweine zu kosten, natürlich wieder ohne zu wissen, wo sie herkamen. Und unter diesen Weinen war ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignon und Merlot, der die Weinwelt in Erstaunen versetzen sollte...
Copyright: Sandra Winters

Montag, 4. November 2013

Coteaux de Languedoc oder AOC Languedoc - was ist der Unterschied?

AOC Languedoc vs. Coteaux de Languedoc: Mehr Vielfalt und mehr Qualität?

Auf den ersten Blick gibt es - fast - keinen Unterschied. Die Bezeichnung "Coteaux de Languedoc" wurde 2007 von "AOC Languedoc" abgelöst, in die zusätzlich zu den traditionellen Languedoc-Weinen noch die Weine aus Roussillon eingegliedert wurden. Coteaux de Languedoc wurde eher als regionale Herkunftsbezeichnung betrachtet, während AOC Languedoc mehr oder weniger das ganze französische Mittelmeergebiet einschließt - was das Gebiet der AOC Languedoc zu der größten Weinregion Frankreichs machte. Ein Drittel aller französischen Weine werden inzwischen im "Großraum" Languedoc produziert.

Die Vielfalt der Weine, die als AOC Languedoc bezeichnet werden, ist also höher als die der ursprünglichen Coteaux de Languedoc. Die bekannten Weine aus Collioure, die auf Abhängen über dem Meer wachsen, die Côtes du Roussillon et Côtes de Roussillon Village fehlen in der Herkunftsbezeichnung Coteau de Languedoc.

Diese Umbenennung hat auch für einige Weine außerhalb des Roussillon Konsequenzen nach sich gezogen. So wurde, was eigentlich sehr selten der Fall ist, ein recht klassischer AOC - der Costières de Nîmes AOC - aus den AOC Languedoc ausgegliedert und zu den AOC Côte-de-Rhone gezählt. Das offizielle Argument, warum die Winzer der Costières de Nîmes AOC aus dem Gebiet Languedoc-Roussillon austreten wollten, hatte mit ihrer Art der Weinfabrikation zu tun. Sie meinten, dass sich ihre traditionelle Verarbeitung der Syrah- und Grenache-Trauben nicht mit den neuen Regeln des AOC Languedoc vertragen würde. Weinkenner behaupten jedoch, sie hätten es ganz einfach vorgezogen, zu der international bekannten Bezeichnung des AOC Côte-de-Rhone zu gehören, als zu einem Label, das zu dieser Zeit seinen Weg zum Ruhm noch mehr oder weniger vor sich hatte.

Bisher ist diese Änderung der Zugehörigkeit von Costières de Nîmes AOC allerdings noch nicht so bekannt, dass sie in alle Veröffentlichungen aufgenommen wäre. So finden wir ihn oft noch in den Listen der Weine von AOC Languedoc.

Aber auch andere Weine passen nicht mehr so recht in diesen Überbegriff AOC Languedoc, der durch seine geografische Ausdehnung zu viele unterschiedliche Weine vereint. Deshalb wurden etliche Unterbezeichnungen gegründet, von denen jedoch einige in absehbarer Zeit eigene AOC-Label kriegen könnten, das heißt ganz aus der Bezeichnung AOC Languedoc ausscheiden würden. Dazu gehören zum Beispiel Montpeyroux, Picpoul de Pinet oder Pic Saint-Loup.

Die Frage, ob der Übergang von Coteaux de Languedoc zu AOC Languedoc die Vielfalt des südfranzösischen Weingartens eher gefördert oder gemindert hätte, ist schwer zu beantworten. Zuerst einmal, weil es sich an sich um einen rein administrativen Akt handelt. Die Aufnahme der Roussillon-Weine hat die Vielfalt sicher erhöht, die Regeln der Zugehörigkeit zu der Herkunftsbezeichnung jedoch noch mehr "verallgemeinert" als sie es vorher schon waren - was dazu geführt hat, dass einige geografisch kleinere Weine die Bedingungen des Labels nicht mehr unbedingt erfüllen und, wenn sie stark genug vertreten sind, eigene AOC-Gruppen bilden oder aber aus der Herkunftsbezeichnung aussteigen müssen.

Diese Erschwerung, einen lokalen Wein den neuen Regeln des AOC Languedoc zu unterwerfen, trug sicher auch zu der neuen Bewegung innerhalb der Gruppe der Jungwinzerbei, ganz auf ein Label zu verzichten und stattdessen völlig neue Wege zu gehen, sich zum Beispiel den Bioweinen oder der Produktion von sortenreinen Weinen zuzuwenden, mit Rebsorten, die im Languedoc traditionell nie sortenrein verarbeitet worden sind. Setzt man diese Entwicklung in Zusammenhang mit der Änderung der Herkunftsbezeichnung - eine Theorie, der viele Weinkenner folgen - so verdanken wir ihr ohne Zweifel die Entstehung einer neuen Generation von Languedoc-Wein mit hoher Qualität.
Copyright: Sandra Winters

Dienstag, 29. Oktober 2013

Sandwein aus der Camargue: Mourvèdre, Urahn der Vins des Sables

Wie die Rebsorte Mourvèdre in die Camargue zurückkehrte und zu Sandwein wurde


Offiziell wurde der Sandwein, der Vin des Sables, so wie wir ihn heute kennen, 1880 von der Firma Listel "erfunden", das heißt, genauer gesagt, von der Compagnie des Salins du Midi (Gesellschaft für die Salzgewinnung im Mittelmeerraum). Die Wissenschaftler der damals größten Firma der Camargue - deren eigentliche Aktivität in der Salzgewinnung bestand - waren wissbegierig wie alle Wissenschaftler, und ihre Chefs hatten natürlich immer Lust, ein paar Tausender nebenbei zu verdienen. Als diese Wissenschaftler das "Geheimnis" des Überlebens der Weine in bestimmten Ecken der Camargue entdeckt hatten, reagierten die Manager der Salz-Firma dann auch prompt: sie gründeten Listel und wurden zum größten Weinhersteller der Camargue - und zu einem der größten von Frankreich.

Doch eigentlich wurde der Sandwein der Camargue von niemandem "erfunden", sondern man kann ihn als natürlichen Wein der Camargue betrachten - Listel hat also nicht den Sandwein, sondern nur seinen systematischen Anbau und die entsprechende Vermarktung eingeführt. Der hohe Sandgehalt im Boden der Camargue war schon immer ein natürlicher Schutz gegen die Insekten, und die häufige Überflutung der Weinfelder sorgte dafür, dass selbst die Schädlinge, die sich im Sand bewegen und ernähren können, noch ausgerottet werden.

Wenn man heute - dank Listel - Wein aus der Camargue automatisch mit  Sandwein identifiziert, so wuchsen doch nicht alle Ahnen der heutigen Vins des Sables ausschließlich auf Sand. Dabei kann man sagen, dass die Geschichte des Weines aus der Camargue sich im Kreis gedreht hat. Denn heute herrscht im Weingarten der Camargue und der gesamten Provence die Rebsorte Mourvèdre vor. Doch vor dem großen Weinsterben im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war nur noch sehr wenig Mourvèdre in der Camargue zu finden. Mourvèdre oder Monastrell wurde erst nach der Phylloxera eingeführt, mit den Rebsorten, die die frühere Quantität der Camargue-Weine durch Qualität ersetzen sollten. Aber trotz der unumstrittenen Qualität der Mourvèdre-Weine gab es bald Stimmen, die sich beklagten, der Wein aus der Camargue wäre nicht mehr so, wie er vor dem Einfall der Reblaus war...

Doch diese Stimmen haben sich offensichtlich geirrt. Denn man müsste eigentlich eher von einer "Wiedereinführung" des Mourvèdre sprechen: wenn Weinliebhaber wie der Antipapst aus Avignon, Jean XXII. im 14. Jahrhundert oder Könige wie Charles VI oder sein Nachfolger im 15. Jahrhundert ihre Weinkeller mit Weinen aus der Camargue füllten, dann lag das vorwiegend an ihren Rebsorten: und eine davon war Mourvèdre, die famose Plant de Saint-Gilles..

So gehört Mourvèdre, die Rebsorte, die unter all den nach der Phylloxera eingeführten Rebsorten den größten Erfolg erzielte, zu den Ahnen des Sandweines.
Copyright: Sandra Winters

Freitag, 25. Oktober 2013

Biowein aus dem Languedoc: Umfrage

Was halten die Bewohner des Languedoc von Biowein?

Nach Statistiken und Artikeln in der Fachpresse wird Biowein in Frankreich immer beliebter. Doch Weine in Frankreich wollte wissen, was die Leute auf der Strasse von ihm halten, Leute, die ohne jedes spezielle Kriterium ausgewählt wurden. Eine Umfrage in Montpellier.

"Biowein?", wiederholt die Dame um die 50 die Frage von Weine in Frankreich. "An sich trinke ich wenig Wein, nur mal mit Freunden. Und ich kenne mich nicht sehr gut aus. Aber ich denke doch, dass Biowein gesünder ist als anderer Wein."

Die Frage der Gesundheit interessiert auch einen Herrn um die 40. "Hin und wieder trinke ich Wein aus biologischem Anbau. Aber nur selten. Ich sollte vielleicht nur Biowein trinken, meine Frau hat mal davon gesprochen, sie sagt, er hätte weniger Schadstoffe. Aber er ist einfach zu teuer."

"Unterm Strich ist Biowein nicht teurer als anderer Wein", protestiert eine Engländerin, die, wie sie sagt, seit einer "Ewigkeit" in Frankreich lebt, französischen Wein liebt und ihn sehr gut kennt. Sie ist ein wenig ärgerlich über die etwas provokative Frage von Weine in Frankreich. "Wenn man ihn mit billigem Kaufhausfusel vergleicht, dann ist er natürlich teurer. Aber wer einen guten Wein trinken will, muss immer etwas mehr ausgeben. Nur - ein guter 'chemischer' Wein kommt meist aus einem der großen Châteaux, wo man nicht den Wein, sondern den Namen zahlen muss. Der Biowein dagegen wird auf kleinen Weingütern produziert, die weitaus billiger sind als die großen Châteaux, aber geschmacklich haben sie die gleiche Qualität - oder sogar eine bessere. Und folglich kann man sagen, dass ein guter Biowein eher billiger ist als ein guter herkömmlicher Wein."

Ein Mann Ende 20 ist nicht der gleichen Meinung. "Lassen Sie mich mit dem Quatsch in Ruhe. Ich hab kein Geld für so Geschichten wie Biowein." - Die junge Frau an seiner Seite scheint allerdings nicht mit ihm einverstanden zu sein. "Wie kannst du so etwas sagen...", hört man ihre vorwurfsvolle Stimme bevor ihr Begleiter sie wegzieht.

Doch auch andere Bewohner von Montpellier wollen keinen Biowein. "Zu teuer", ist ein häufiger Kommentar, "Kenne ich nicht", "Interessiert mich nicht" oder auch: "Das ganze Gerede von der Gesundheit dient doch nur dazu, noch mehr Geld zu machen. Wenn der normale Wein nicht gesund wäre, dann wären wir doch alle längst krank... Und verboten wäre er auch."

Eine junge Frau von höchstens 25 Jahren scheint besser informiert zu sein. "Biowein schmeckt gut, schützt die Umwelt und schafft Arbeitsplätze." Die Arbeitsplätze interessieren auch eine andere Dame, vielleicht 10 Jahre älter als ihre Vorgängerin. "Heute redet doch jeder von Arbeitsplätzen. Die biologische Landwirtschaft - Wein, Gemüse, Obst... - schafft Arbeitsplätze. Man müsste sie nur mehr unterstützen, zumindest am Anfang, damit sie wirklich Fuß fassen kann. Aber unsere Regierung zieht vor, den Kauf von landwirtschaftlichen Maschinen und chemischen Düngemitteln zu unterstützen anstatt Arbeitsplätze zu schaffen. Denn biologische Landwirtschaft ist großteils Handarbeit. Da stehen noch viele Leute auf den Feldern und kümmern sich um den Wein und nicht nur ein einziger, der auf seinem Traktor sitzt und Gift verspritzt, das ihn selber krank macht."

Ein Herr um die 50 seufzt, als er die Frage nach dem Biowein hört. "Natürlich ist Biowein besser als anderer Wein, in jeder Hinsicht. Aber es wird wohl noch lange dauern, bis die Leute das verstehen. Die Gegenpropaganda ist einfach zu stark, die Vorurteile sind zu groß."
Copyright: Sandra Winters

Dienstag, 22. Oktober 2013

Wein aus Languedoc: die Ideen der Jungwinzer

Die "neuen" Winzer aus Languedoc: selbst mit anpacken

Sie sind relativ neu im Weingeschäft, doch oft sind sie nicht so jung, wie man glauben möchte: eine neue "Gattung" von Winzern macht sich breit im Languedoc. Einige haben ihre Güter von ihren Eltern geerbt und beschlossen, neue Methoden und, vor allem, neue Ideen in die Produktion ihres Weines einzubringen. Andere dagegen haben vollkommen andere Berufe ausgeübt, jahrelang davon geträumt, Winzer zu werden und ihren Traum schließlich erfüllt - was nicht heißt, dass sie Träumer sind, sondern durchaus realistische Winzer mit Ideen, die teilweise etwas anders sind...

Eines der wesentlichen Kennzeichen der neuen Winzergeneration ist ihr Enthusiasmus. Sie vertreten ihre Weine selbst, besuchen Messen und Volksfeste und werden nicht müde, die Besonderheiten ihrer Weine immer aufs Neue zu erklären. Sie sind stolz auf ihren Wein und seine Qualität. "Ich liebe die Erde, auf der mein Wein wächst", erklärt ein Jungwinzer, als er von Weine in Frankreich befragt wird. Nach 20 Jahren Büroarbeit konnte er endlich seinen Traum vom Weingut im Languedoc erfüllen. "Wenn es ihr nicht gut geht und sie schlechten Wein hervorbringt, das ist es, als ob ich selber etwas Schlechtes zu Stande gebracht hätte. Wer meinen Wein mag, der mag auch mich."

Keiner dieser Winzer würde sagen, dass die finanzielle Seite des Verkaufs ihn nicht interessiert - im Gegenteil, viele Jungwinzer sind gezwungen, so knapp zu kalkulieren, dass ein schlechter Jahrgang alles in Frage stellen würde. Doch Gewinn ist trotzdem nicht der wichtigste Faktor: "Klar muss ich meinen Wein verkaufen, sonst kann ich mich nicht halten. Aber wenn ich die Wahl zwischen Qualität und mehr Geld habe, dann wähle ich Qualität, ohne nachzudenken."

Mit dieser Einstellung passen die Winzer in eine Strömung, die den Wein im Languedoc nach den großen Verlusten durch die Phylloxera ergriff. Jahrhundertelang hatte der Wein aus Languedoc den Ruf, eher auf Quantität zu achten als auf Qualität. Niemand versuchte auch nur, mit Gegenden wie Bordeaux zu konkurrieren, man setzte auf den Käufer von Billigwein, der viel konsumieren aber wenig dafür ausgeben wollte. Nach der Ausrottung ganzer Weingüter durch die Reblaus sah man sich konfrontiert mit der Tatsache, dass es Jahre und Jahrzehnte dauern würde, die Quantität wiederherzustellen. Da begann man, über Qualität nachzudenken...

Mit den Jungwinzern hat sich auch das Berufsbild des Weinbauern im Languedoc geändert. "Mein Vater arbeitete mit lauter Professionellen zusammen", erklärt ein Winzer, der das väterliche Gut, nach mehreren Jahren Studiums der Önologie und Landwirtschaft übernommen hatte. "Sein Verdienst bestand vor allem in der richtigen Auswahl der Leute, die er auswählte. Er war ein guter Manager mit guten Menschenkenntnissen."

Doch Menschenkenntnis ist den modernen Winzern aus dem Languedoc nicht mehr so wichtig. Sie ziehen Weinkenntnis vor. "Um ein guter Winzer zu sein, muss man nicht nur etwas von Önologie verstehen, das heißt, entscheiden können, ob man einen Wein verschneidet oder nicht - und wenn ja, wie -, man muss sich auch mit der Landwirtschaft auskennen, einen Boden untersuchen und beurteilen können und wissen, ob er Zusatzstoffe braucht, um fruchtbar zu sein, man muss sich gegen Schadinsekten wehren können, man muss wissen, wie man seinen Wein vermarktet... und vor allem bereit sein, selber mit anzupacken, überall und in jedem Moment."
Copyright: Sandra Winters

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Sortenreiner Wein im Languedoc: Syrah, Merlot und Cabernet-Sauvignon

Sortenreiner Merlot, Syrah oder Cabernet-Sauvignon im Languedoc: eine Philosophie der Natur

Einem Neuling in Sachen Wein brennt oft eine Frage auf den Lippen, die er vielleicht nicht zu stellen wagt - aus Angst, als Neuling erkannt zu werden. Er lernt, dass die Burgunder-Weine - im Gegensatz, zum Beispiel, zu den ebenso hervorragenden Bordeaux - aus einer einzigen und immer derselben Rebsorte hergestellt werden. Das heißt, sie sind "sortenrein" oder, für die Franzosen, mono-cépage.

Bis dahin ist nichts Besonderes an der Aussage. Wenn man dann aber daran denkt, dass all die unterschiedlichen Burgunder-Weine auf der gleichen Rebsorte basieren, dann drängt sich doch logischerweise (und nicht nur bei Neulingen) die Frage auf, wieso ihr Bukett, ihr Geschmack und selbst ihre Qualität so unterschiedlich sind.

Das "Geheimnis" liegt im Boden. Im Gegensatz zu einem verschnittenen Wein, wo der Winzer weitgehend entscheidet, welches Bukett und welchen Geschmack er seinem Produkt geben will, hat er nur wenig Einfluss auf die Qualität eines sortenreinenWeines, zumindest nach der Ernte - außer, natürlich, was die Lagerung betrifft. Viele der "neuen" Winzer fühlen sich davon angezogen, ihren Wein nicht durch Mischung "künstlich" zusammenzustellen, sondern sich von der Natur abhängig zu machen: von der Qualität ihres Bodens, den sie entsprechend pflegen und dem sie entsprechende - oft biologische - Nahrung zugeben, aber auch vom Klima, von der Regen- und Sonnenmenge, die ihr Wein erhält.

Manche Kritiker meinen, die Herstellung eines sortenreines Weines wäre einfacher als die Produktion eines Verschnitts, weil der Winzer sich nicht in der Kunst des Mischens auskennen müsste. Deshalb würden sortenreine Weine oft von Anfängern produziert. Die Anhänger der "neuen Schule" dagegen, die vorwiegend aus Jungwinzern und kleinen bis mittleren Gütern besteht, empfinden eher das Gegenteil: um die Natur dazu zu bringen, eine gute Rebe zu produzieren, brauchte es mehr als einige Kenntnisse im Verschneiden des Weines. Denn Verschneiden bedeute stets, den Wein künstlich zu verbessern, indem man die richtige Menge von der richtigen Rebe zusetzt. Bei sortenreinem Wein wäre dies nicht ausreichend: "Der Winzer muss fähig sein, die Zeichen der Natur zu erkennen, zu fühlen, was der Boden und die Pflanzen benötigen und bereit sein, nicht seinem eigenen, künstlichen Rhythmus zu folgen, sondern dem seiner natürlichen Umgebung."

In Frankreich ist die Herstellung von sortenreinem Wein seit den 80er Jahren geregelt. Um das Recht zu haben, seinen Wein "sortenrein" zu nennen, ist der Winzer verpflichtet, hundert Prozent der gleichen Rebsorte zu verwenden - im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo ein "sortenreiner Wein" bis zu 25 Prozent verschnitten sein darf. Europa konnte immerhin durchsetzen, dass die importierten amerikanischen Weine nur zu 15 Prozent verschnitten sein dürfen, wenn sie hier als sortenrein verkauft werden sollen.

Die Namen der sortenreinen Weine in Frankreich drücken in der Regel die Philosophie des Bodens aus, auf dem sie gewachsen sind. Sie werden oft nach dem Ort benannt, wo sie produziert wurden oder nach dem Weingut (was der Fall bei fast allen Burgunder-Weinen ist) - wogegen verschnittene Weine oft Fantasienamen tragen. Erst in letzter Zeit haben kleinere Weingüter, zum Beispiel im Languedoc, angefangen, ihren Wein nach der Rebe zu benennen, die benutzt wurde, sortenreiner Merlot, Syrah, Cabernet-Sauvignon...

Copyright: Sandra Winters

Montag, 22. Juli 2013

Französische Weine - wo kaufen, was kaufen und was ist der Unterschied?

Allerlei über französischen Wein: die kostenlose Wein-Mail

Alles fing an mit der Lust auf guten französischen Wein. Wir trafen uns hin und wieder mit Freunden, und da half eine gute Flasche AOC (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) Languedoc, Faugères oder Côte de Provence, die Stimmung zu heben... nein, nicht ihr Alkoholgehalt, denn dafür hätten wir ja keine gute Flasche gebraucht, sondern der angenehme Geschmack. Doch eines Abends senkte er die Stimmung anstatt sie zu heben: wir hatten einen Clos-de-Vougeot geöffnet, der total schlecht gelagert war. Pfui...

Da kam die Frage auf, wo man guten Wein denn kaufen sollte. Und, natürlich, wann man welchen Wein kauft. Und überhaupt, was ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen all den französischen Weinen? Muss es denn immer gleich einer für 50 Euro und mehr sein (in Frankreich gibt es nämlich schon phantastischen Wein für unter 10 Euro)? Und immer nur Bordeaux? Was ist von Roussillon, Provence oder Côtes-du-Rhone zu halten? Sind eigentlich alle guten französischen Weine als AOC klassifiziert oder gibt es auch "heimliche" Weine, die man kennen sollte?

So machten wir uns auf die Suche nach Informationen und Weingütern, alle zusammen und jeder für sich, wir trafen uns erneut (mit einer guten Flasche Wein) und tauschten unsere neuen Kenntnisse aus. Wir lernten, warum ein billiger Wein oft wertvoller ist als ein teurer. Wir entdeckten kleine Weingüter, die nicht zu teuren, aber sehr guten Wein erzeugen - Weingüter, wo der Verantwortliche kein bekannter Önologe ist, sondern der Besitzer, der mit vollem Herzen an seinem Wein hängt. Und wir entdeckten, dass der Wein den Boden und die Lebensart eines Gebietes ausdrückt, dass sein Geschmack und sein Bukett nicht nur von den Rebarten, sondern auch vom Boden, vom Wetter, der Lebenseinstellung der Menschen und der Qualität der Umwelt abhängt. Und schließlich haben wir entdeckt, dass wir mit den kleinen und mittelgroßen Weingütern eine richtige Tour de France machen können - eine Tour, die uns erlaubt, Frankreich von seiner "wahrsten" und vielleicht schönsten Seite zu erforschen.

Und wir entdeckten, dass eine Flasche Wein dafür da ist, mit Freunden in Gemütlichkeit geteilt zu werden. 

Unsere Treffen wurden immer regelmäßiger und interessanter - bis Rita krank wurde. Das heißt, die Treffen gingen auch ohne Rita weiter, aber nachdem sie traurig war, nicht dabei sein zu können, kam Dieter auf die Idee, alles für sie aufzuschreiben. Das heißt, Doris wurde zur "Sekretärin" ernannt, die alles aufschrieb, was die anderen (und sie selbst) entdeckten...

Und wenig später kam dann die Idee, unsere Informationen auch anderen Weinfreunden zu öffnen - die Wein-Mail war geboren.

Wichtig: Die Autoren der Wein-Mail verkaufen keinen Wein. Ihre Ratschläge sind folglich absolut neutral, ausschließlich von der Lust auf guten Wein geprägt. Und sie können sich auch mal irren, denn das beste Weingut kann auch mal eine schlechte Flasche produzieren.

Und um es nochmal zu betonen: Die in den Wein-Mails genannten Weingüter haben für ihre Empfehlung nicht bezahlt, sie wissen nicht einmal, dass sie hier erwähnt werden. Die Autoren drücken ausschließlich ihren persönlichen Geschmack aus, es handelt sich nicht um Werbung.

Die Wein-Mail ist kostenlos und unabhängig. Keiner hat uns zu sagen, welchen Wein wir mögen sollen, weder für Geld noch gute Worte. Und, natürlich, eure Mails-Adressen bleiben unser Geheimnis. Wir geben sie an niemanden weiter, und keiner schickt euch Werbung zu. Ihr bekommt ausschließlich die Wein-Mail, solange sie euch gefällt.

Hast du Lust, die Wein-Mail zu lesen? - Dann schreibe bitte an
sandra.winters63@gmail.com

Copyright: Sandra Winters

Montag, 1. Juli 2013

Jahrgang 1945, Jahrgang 1961, Jahrgang 1962: Bordeaux und seine großen Jahrgänge

Ein unerwarteter Jahrgang 1945, ein hervorragender Jahrgang 1961 - und ein Jahrgang 1962, mit dem keiner rechnete

Der Traum aller Önologen: einen guten Jahrgang voraussehen können. Oder zumindest die "Zeichen" eines guten oder schlechten Jahrgangs zu erkennen.

In Bordeaux, Jahrgang 1945, rechnete keiner mit einer guten Ernte. Dabei wäre ein guter Wein gerade in diesem traurigen Siegesjahr so willkommen gewesen. Denn auch wenn Frankreich im Endeffekt zu den Siegern des Krieges gehörte, so ging es den Leuten doch überall gleich schlecht: im Volk gab es nur Verlierer. Viele Männer waren nicht aus dem Krieg zurückgekommen, die Familien kämpften gegen den Hunger und das nackte Überleben. Es mangelte nicht an Arbeit, aber an Arbeitskräften.

Deshalb konnte der Jahrgang 1945 auch nicht vollständig eingebracht werden. Denn entgegen aller Voraussagen wäre er es wert gewesen. Und da schütteln die Önologen den Kopf: ein Jahr, in dem es im Frühjahr noch mal friert, wo die jungen Triebe fast alle eingehen, das kann nur zur Katastrophe werden. Doch Sommer und Herbst wurden heiß und trocken und sorgten für einen hervorragenden Wein.

Jeder weiß, dass ein heißer, trockener Sommer und ein schöner Herbst gut für den Bordeaux-Wein (und sicher auch für, zum Beispiel, einen Saint-Chinian, das heißt für alle südlichen Weine) sind. Aber eigentlich sind sich die Experten einig: Frühjahrsfrost zerstört alle Hoffnung auf einen guten Jahrgang, egal wie heiß der Sommer wird. - Wieder einmal reagierte die Natur anders als die erfahrenen Weinkenner annahmen... und mit dem Jahrgang1946 sollte es nicht anders sein...

Der berühmte Jahrgang 1961 brachte die gleiche Überraschung. Heute sagt man, dass dieser Jahrgang 1961 einen der besten Bordeaux-Weine der Nachkriegszeit hervorgebracht hat. Doch im Frühling machten die Eigentümer der Weingüter eher ein trauriges Gesicht: wie 1945 litten die Weinstöcke unter einem Frühlingsfrost, wie man ihn in Bordeaux nur selten kennt. Und wieder spielte die Natur den erfahrenen Kennern einen Streich: der Sommer war so heiß und der Herbst so freundlich, dass der Wein ganz einfach hervorragend war.

Nachdem der Bordeaux 1961 so gut gelungen war, konnte der Jahrgang 1962 nur schlecht werden. Das sagten zumindest die "Weinkenner" aus Bordeaux. Denn zwei gute Jahrgänge hintereinander, das galt als unmöglich. Bestenfalls konnte der Jahrgang 1962 noch durchschnittlich werden...

Man sollte es nicht für möglich halten, aber man merkte erst einige Jahre später, dass der Jahrgang 1962 quasi genauso gut war wie der Jahrgang 1961. Der Wein war fruchtig und ausgewogen, das Tannin gut ausgereift - er hatte alles, um alle Qualitäten eines jungen Bordeaux vorzuweisen und, bei guter Lagerung, hervorragend zu altern. Dazu kam das Wetter: der Frühling war angenehm warm, von Frost konnte keine Rede sein. Die Weinstöcke fingen an zu sprießen, ohne dass die jungen Blätter von einer Kälteperiode bedroht würden. Der Sommer war heiß, die Erntezeit sonnig... die Kenner hätten eigentlich wissen müssen, dass sie einen hervorragenden Jahrgang erlebten. Doch, zumindest "offiziell" (es gab sicher einige, die anders dachten), war der Jahrgang 1962 von vornherein "verdammt" einen schlechten Wein zu liefern - und das nur, weil der Jahrgang 1961 einfach zu gut war, in den Augen der Leute, um sich so schnell zu wiederholen.
Copyright: Sandra Winters


Dienstag, 18. Juni 2013

AOC Languedoc, Wein und Phylloxera

Warum wir die Entstehung des AOC Languedoc der Phylloxera verdanken


Eigentlich ist es schwer zu glauben, dass solch ein winziges Insekt solch großen Schaden anrichten sollte. Übrigens war man im Languedoc damals überzeugt, den wahren Schuldigen an der Phylloxera zu kennen: den Erfinder des Dampfers. Denn wäre der Dampfer nicht erfunden worden, so hieß es, hätte man den Wein aus Amerika nicht so schnell über den Ozean transportieren können, und die gefährlichen Blattläuse wären tot gewesen, bevor sie in Europa ankamen. Doch mit dem Dampfer ging eben alles viel zu schnell.

Als im 18. und 19. Jahrhundert französische Pioniere nach Amerika gingen, wollten sie auf den guten Wein ihrer Heimat nicht verzichten. Flaschen konnte man damals noch nicht exportieren oder, besser gesagt, der Transport war derartig lang und kompliziert, dass der Import von europäischen Spezialitäten nach Amerika den Reichen vorbehalten war.

Was lag also näher, als den Wein direkt auf dem eigenen Feld zu produzieren? Denn das geübte Auge der französischen Weinbauern, die nach Amerika ausgewandert waren, um dort billiges Land und Reichtum zu finden, stellte bald fest, dass der Boden in manchen Gegenden dem in Frankreich ähnelte. - Später stellte man dann fest, dass die geübten Weinbauern sich getäuscht hatten. Sämtliche Weinstöcke gingen ein. Aber vorher hatte man noch die Zeit, einiges von dem amerikanischen Wein nach Frankreich zu transportieren - und mit ihm die Reblaus, die die Phylloxera produzierte.

Die Methode, einen Weinstock zu töten, ist für diese Läuse ganz einfach: sie greifen die Wurzeln an und saugen von dort aus den Saft aus der Pflanze, die langsam aber sicher eingeht. So kriegt man die Phylloxera erst mit, wenn es definitiv zu spät ist. Das Gebiet des heutigen AOC Languedoc wurde am schwersten betroffen. Die Rebart, die damals dort wuchs, Vitis vanifera, "schmeckte" den Rebläusen ganz ausgezeichnet, und schon bald gab es fast keinen Weinberg mehr, der der Phylloxera nicht zum Opfer gefallen wäre.

Languedoc ohne Wein - undenkbar. Es musste also schnell Abhilfe geschaffen werden. Und die Wissenschaftler, die sich an der Universität von Montpellier zusammengetan hatten, fanden bald eine logische Lösung: wenn der Schädling aus Amerika eingeschleppt wurde, dort aber nur die importierten französischen Weinstöcke zerstört, so müssen die amerikanischen Rebsorten ja eigentlich immun sein. - Es war sicherlich nicht leicht, die Winzer aus dem Languedoc davon zu überzeugen, ihre einheimischen Weine auf amerikanische Wurzelstöcke zu pfropfen - doch am Anfang schien dies die einzige Lösung zu sein, schnell wieder einen Qualitätswein zu produzieren.

Leider funktionierte auch diese Idee nicht lange. Die amerikanischen Wurzelstöcke konnten sich nicht so recht dem Boden des Languedoc anpassen. So war man gezwungen, minderwertige Rebsorten aus Spanien zu importieren, zum Beispiel den Carignan oder den Mourvèdre.

Doch schon Mitte des 20. Jahrhunderts war es klar, dass diese ursprünglich minderwertigen Rebsorten nichts "minderwertiges" mehr an sich hatten. Und als der erste Wein von Languedoc zum AOC Languedoc (geprüfte Herkunftsbezeichnung) erklärt wurde - der AOC Fougères -, da wusste man, dass die Phylloxera den Weinliebhabern fast einen Gefallen getan hatte. Denn mit der Erneuerung war den Winzern klar geworden, dass beim Wein nicht die Quantität sondern die Qualität zählte. Und aus den importierten "minderwertigen" Rebarten ist der weltweit bekannte Spitzenwein AOC Languedoc geworden...
Copyright: Sandra Winters

Samstag, 27. April 2013

Yquem 1944 und Yquem 1994 - zwei Jahrgänge, die sich ähneln

Heißer Sommer und verregneter Herbst: Yquem 1944 und Yquem 1994, zwei große Likörweine

Man kann nicht behaupten, dass Bordeaux 1944 ein glückliches Jahr war. Wie überall in Europa litten die Menschen unter Entbehrungen und der Angst um ihr Leben. Auf den Weingütern wusste man nicht, wo man genügend Erntearbeiter finden sollte - die Männer waren im Krieg, und keiner wusste, ob und wann sie zurückkehren sollten.

Und trotzdem gab es einen Lichtblick. Der Frühling war warm und angenehm, der Sommer trocken und heiß. Die Herren der Weingüter sahen der Weinlese mit gemischten Gefühlen entgegen: alles ließ glauben, dass es ein hervorragender Jahrgang werden sollte - aber man musste erst einmal die Erntearbeiter finden.

Doch für die Rotweine kam die Enttäuschung im Herbst. Als die Weinlese losging, verschlechterte sich das Wetter, und starke Regengüsse brachen über Bordeaux herein. Nur die Liebhaber der Likörweine waren glücklich. Was den Rotweinen schadete, erhöhte die Qualität der Sauternes: endlich hatte der Yquem 1944 die Möglichkeit, seine Edelfäule ausreifen zu lassen. Der heiße Sommer hatte die Grundlage gelegt, der Herbstregen vollendete das Werk: Yquem 1944 wuchs zu einem Spitzenwein heran.

Heute ist Yquem 1944 ein perfekter Likörwein. Sein Geschmack ist ausgewogen, seine Reife auf dem Höhepunkt. Und, nach Meinung der Experten, wird dieser Höhepunkt wohl noch mindestens zehn Jahre andauern.

In Bordeaux 1994, fünfzig Jahre später, denkt kaum einer mehr an den Krieg. Die Weingüter finden genügend Arbeitskräfte - jetzt geht es um die Qualität, die Konkurrenz, den guten Ruf und den Kampf um den Kunden.

Doch immer noch ist die Natur stärker als die Geschäftsleute. Auch wenn die Weingüter die besten Fachkräfte einstellen, um sich bekannt zu machen - die Qualität hängt vom Wetter ab. Und das Wetter ist gut, in diesem Jahr. Wieder einmal ist der Frühling warm, der Sommer heiß und trocken... und wieder einmal macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung der Weinbauern: die Weinlese hat kaum begonnen, als es anfängt, in Strömen zu regnen.

Und wieder ist es das Aus für viele Rotweine. Die Weine, die auf Merlot basieren, kommen noch am besten weg - sie sind konzentriert, ihr Tannin stark und ausgereift. Aber die anderen vermögen nicht zu halten, was der Ruf der Weingüter verspricht.

"Gewinner" sind jedoch wieder die Sauternes. Die Edelfäule entwickelt sich unter dem Regen, und Yquem 1994 wird ein Genuss, auf den sich die Liebhaber der Likörweine freuen. Yquem 1994 ist fruchtig und gut ausgereift. Doch den Experten zufolge hat er einen Nachteil: im Gegensatz zu Yquem 1944 wird er vermutlich nicht sehr gut altern. Doch wen interessiert das, heute, fast zwanzig Jahre nach der Vollendung eines guten Weines?
Copyright: Sandra Winters

Sonntag, 21. April 2013

Pétrus 1934, Pétrus 1944, Pétrus 1954 - vom Jahrhundertwein zur Enttäuschung

Drei Jahrgänge, drei Qualitäten - Pétrus 1934: Spitzenwein, Pétrus 1944, guter Wein, Pétrus 1954, Enttäuschung

Wenn man die drei Jahrgänge vergleicht - Pétrus 1934,Pétrus 1944 und Pétrus 1954 - so hat man das Gefühl, es mit drei verschiedenen Weinen zu tun zu haben.

Pétrus 1934 reifte in einem Jahr, in dem keiner wusste, ob er glücklich, traurig oder von Sorgen überwältigt war. Der Regierungswechsel und die Aufstände im Februar hinterließen ihre Spuren auch in Bordeaux. Wenige Monate später hört man von den Morden in Deutschland, die als die "Nacht der langen Messer" in die Geschichte eingehen sollte.

Doch in Bordeaux denkt man, wie so oft, an Wein - endlich kann man wieder einmal von einem guten Jahrgang reden. Der Sommer ist heiß und trocken, und Pétrus 1934 wird ein Bordeaux, wie man ihn lange nicht mehr gekostet hat. Er ist ausgereift und ausgewogen, sein Geschmack von Anfang an reich und vollmundig. Heute zählt Pétrus 1934 zu den Weinen, die gut gealtert sind und die jeder Weinliebhaber zumindest einmal in seinem Leben kostet möchte.

Zehn Jahre später sieht die Welt ganz anders aus. Im Sommer glaubt man noch, Pétrus 1944 würde dem Jahrgang 1934 ähneln: ein schöner Frühling und ein heißer Sommer lassen die Leute aus Bordeaux den Krieg fast ein wenig vergessen. Doch im Herbst kommt die Enttäuschung: es regnet während der Weinlese. Glücklicherweise kann das Wetter den Wein nicht wirklich beeinflussen: Pétrus 1944 ist schon so reif, sein Tannin so voll entwickelt, dass der Regen ihm nicht mehr schaden kann. Er verringert jedoch seine Chancen, gut zu altern - und es ist wahr, dass Pétrus 1944 inzwischen ein wenig von seiner hervorragenden Qualität verloren hat.

Noch hat das "große Zeitalter" nicht begonnen - Pétrus 1944 ist der letzte Jahrgang vor dem großen Durchbruch des Weingutes auf dem englischen und amerikanischen Markt. Doch man kann sagen, dass dieser Jahrgang dazu beigetragen hat, dass das Weingut ein Jahr später zu den Großen von Bordeaux erklärt wurde.

Der größte Triumph für Pétrus kam fast zehn Jahre später, als Königin Elisabeth ihn zu ihrem Krönungswein machte. Wie groß war dagegen die Enttäuschung, dass nur ein Jahr nach dem weltbewegenden Ereignis in London der Sommer so verregnet war, dass Pétrus 1954 ein absolut mittelmäßiger Bordeaux wurde. Seine Qualität hatte nichts mehr mit Pétrus 1934 oder selbst Pétrus 1944 zu tun: obwohl der Wein von diesem Château nie als wirklich schlecht bezeichnet werden kann, ist Pétrus 1954 verwässert und musste recht schnell getrunken werden. Pétrus 1954 gehörte zu den Weinen, die nicht lange gelagert werden konnten. Doch es war immer noch ein Wein, von dem so mancher Weinliebhaber oft nur träumt...
Copyright: Sandra Winters