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Dienstag, 3. Dezember 2013

Französischer Wein: Wein aus Languedoc

Was halten die Kölner von französischem Wein aus Languedoc?

Mittag im Herzen von Köln, an einem ganz normalen Werktag, auf einem der zahlreichen Weihnachtsmärkte der Stadt. Viele Leute haben es offenbar eilig, doch sie nehmen trotzdem den Weg über den Markt, vielleicht um sich an der festlichen Atmosphäre zu erfreuen. Andere lassen sich Zeit, bummeln von Stand zu Stand, trinken einen heißen Kakao oder einen Glühwein. Es ist kalt, aber das muss so sein, vor Weihnachten.

Das Team von Weine in Frankreich erfreut sich auch an der Weihnachtsstimmung. Aber es ist vor allem gekommen, um mit den Leuten auf dem Markt zu reden: über französischen Wein und, vor allem, über Wein aus Languedoc.

Denn jeder in Köln kennt wohl französischen Wein, Bordeaux, Burgunder... Aber wer kennt den Wein aus Languedoc? Er wird zwar innerhalb Frankreichs immer bekannter und verliert langsam seinen alten Ruf, keine sehr große Qualität zu haben - auch wenn ein Ruf festklebt selbst wenn er schon lange nicht mehr der Wahrheit entspricht - so ist er außerhalb  des Landes doch noch nicht sehr bekannt.

"Wein aus Languedoc?", reagiert auch gleich ein Mann in den Fünfzigern, der, wie er erklärt, in seiner Mittagspause gern über den Weihnachtsmarkt schlendert. "Wo liegt denn das?" Das Team von "Weine in Frankreich" gibt ihm einige Stichworte: Frankreich, Mittelmeer, Montpellier. "Ah", sagt darauf der Herr, "ja, ich weiß, wo Montpellier liegt. Klar, dort gibt es ja auch Wein. Und ich habe auch schon welchen getrunken, dort, auf einer Autobahnraststätte." Und wie schmeckte ihm dieser Wein? "Ich erinnere mich nicht mehr."

Der nächste Befragte, ein Mann etwa zehn Jahre jünger als sein Vorgänger, weiß immerhin schon, dass es Weine aus Languedoc gibt. "Ja, französische Weine", seufzt er genießerisch. "Die sind schon gut. Nichts wiegt einen guten Bordeaux auf, Latour oder Mouton Rothschild." Hat er denn schon Wein aus Languedoc gekostet? - Er schüttelt den Kopf. "Nein. Ich trinke nur so richtig guten Wein."

Er wird auch gefragt, woher er denn wisse, dass Languedoc-Wein kein so "richtig guter" französischer Wein sei, wenn er ihn noch nicht gekostet hätte. Doch er zuckt nur mit den Achseln und wiederholt: "Ich trinke nur guten Wein."

Eine etwas jüngere Frau kennt sich dagegen aus. "Ich habe eine Freundin in der Nähe von Montpellier", erzählt sie, "die besuche ich hin und wieder. Und bei ihr gibt es sehr guten Wein, Pic Saint Loup, Chardonnay, Saint-Chinian..." Und auf die Frage, welches ihr französischer Lieblingswein sei, antwortet sie: "Oh, das kann man schlecht sagen. Sie sind so unterschiedlich. Und so viele sind so gut."

Ein Mann, ebenfalls in den Fünfzigern, ist Experte. "Ja, ich kenne den Wein aus Languedoc. Sogar sehr gut. Es gibt dort einige Spitzenweine, die es mit jedem anderen französischen Wein aufnehmen können. Außerdem sind sie billiger als Burgunder-Weine oder Weine aus dem Elsass. Oder natürlich Bordeaux. Ich meine, ihr Preis-Leistungsverhältnis ist weitaus besser. Aber das wird nicht lange so bleiben", fügt er hinzu, "noch kennt kaum einer den Wein aus Languedoc und man muss keinen großen Namen bezahlen. Aber in einigen Jahren wird dieser Wein bekannt sein, und dann wird er genauso teuer, wie andere französische Weine."

Eine Frau in seinem Alter hat auch schon Languedoc-Wein getrunken. "In den Ferien", erklärt sie, "fahren wir öfter nach Südfrankreich. Dort ist die Küste nicht ganz so touristisch wie in Spanien. Und ich kann mein altes Französisch ein bisschen aufpolieren." Dort hat sie auch den Wein aus Languedoc gekostet. "Ich mag ihn gern", sagt sie, "er schmeckt so angenehm fruchtig und erinnert an das Mittelmeer. Aber das liegt ja vielleicht auch an der Ferienstimmung. Hier trinke ich nur selten Wein..."

Ein Student - etwa 25 Jahre alt - macht genießerische Augen. "Oh ja, wir trinken oft Rotwein aus Languedoc. Fougères. Oder Pic Saint Loup. Er ist sehr gut." Und trinkt er auch Weiß- oder Rosé-Wein aus dem Languedoc? "Rosé? Weißwein? Keine Ahnung. Ich dachte, am Mittelmeer gäbe es nur Rotwein."

Insgesamt kannten etwa 45 Prozent der Befragten den Wein aus Languedoc zumindest vom Hörensagen, etwas über 35 Prozent hatte ihn schon gekostet. Fast alle waren sich einig, dass er sehr gut schmeckt, doch etwa die Hälfte behauptete, es gäbe in Frankreich noch weitaus bessere Weine, aber die wären in der Regel unerschwinglich.
Copyright: Sandra Winters

Montag, 2. Dezember 2013

Französischer Wein - Wein aus Frankreich

Ist jeder Wein aus Frankreich ein französischer Wein?

Kein Zweifel - französischer Wein ist seit Jahrhunderten ein Begriff für Qualität, in Deutschland, in Europa, in der ganzen Welt. Aber... was versteht man eigentlich unter "französischem Wein". Ist jeder Wein aus Frankreich ein französischer Wein? Und kommt jeder französische Wein aus Frankreich?

Die zweite Frage ist leicht zu beantworten. Ein Wein, der nicht auf französischem Boden gewachsen und in Frankreich gekeltert wurde, darf nach internationalem Recht nicht französischer Wein genannt werden. Genauso wie ein Schaumwein - unabhängig von seiner Qualität - das Etikett "Champagner" nur tragen darf, wenn er im offiziell erklärten Gebiet des Champagners gelesen und hergestellt wurde. Das gleiche gilt für alle Weine, die das Label einer geschützten Herkunftsbezeichnung tragen.

Die erste Frage ist dagegen komplizierter als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Ist jeder Wein aus Frankreich wirklich ein französischer Wein? - Was die Herkunftsbezeichnung angeht, natürlich. Jeder Wein der auf französischem Territorium produziert wird ist, rechtlich gesehen, ein französischer Wein. Doch in den Augen vieler Deutscher oder Amerikaner, ist nicht jeder Wein aus Frankreich wirklich ein französischer Wein. Denn sie haben sehr klare Ansichten über das, was sie unter französischem Wein verstehen.

Auf die Bitte, spontan einen französischen Wein zu nennen, antworten die meisten deutschen Weinliebhaber automatisch "Bordeaux" oder "Burgunder". Und wenn sie zwischen einem mittelmäßigen Bordeaux und einem ausgezeichneten Wein aus Languedoc zu wählen haben - natürlich ohne die Preise der Flaschen zu kennen - so wählen die meisten immer noch den Bordeaux.

Doch so unterschiedlich die Weine auch sein mögen, französische Weine sind nicht beschränkt auf Bordeaux und Burgunder. Ein Wein aus Frankreich, der die Qualität aufweist, die man traditionell von ihm erwartet, kann aus jedem beliebigen Weinbaugebiet auf französischem Boden kommen.

Der wesentliche Unterschied zwischen den verschiedenen Weinen von Frankreich hängt nicht unbedingt von den Rebsorten ab, sondern vom Boden und vom Klima. Die Gebiete rund ums Mittelmeer, der Wein aus Languedoc, Roussillon und Provence, profitieren von einer weitaus höheren Sonneneinstrahlung als die Gebiete weiter nördlich, das Rhone-Tal mit den Rhone-Weinen, dem Burgunder und dem Beaujolais, oder als der Bezirk von Bordeaux, im Südwesten von Frankreich, wo der Einfluss des Atlantik vorherrscht.

Diese höhere Sonneneinstrahlung im Gebiet des Weines von Languedoc, Roussillon und Provence bedeutet aber nicht nur schnellere und sicherere Reife der Trauben, sondern auch größere Trockenheit. So können im Süden von Frankreich ausschließlich Rebsorten verwendet werden, die Trockenheit und entsprechend arme Böden vertragen. In Bordeaux dagegen und im Rhone-Tal müssen die Böden in der Lage sein, größere Regenmengen zu absorbieren ohne dass der Wein verwässert wird.

Dazu kommt, dass das Problem der Reife der Trauben in Bordeaux und den nördlichen Gebieten größer ist als für den Wein aus Languedoc, Roussillon oder Provence. Die Weinstöcke sind im Mittelmeergebiet äußerst selten dem gefürchteten Frühjahrsfrost ausgesetzt. Selbst spät reifende Weine können ruhig ausreifen und die Winzer eine späte Weinlese programmieren, da das Wetter in der Regel bis Ende Oktober warm und sonnig bleibt.

Die Klimafragen und die damit verbundene Verschiedenheit der Böden haben natürlich großen Einfluss auf den Geschmack des Weines. So findet man im Mittelmeergebiet öfter starke, gut ausgewogene Tannins, die die Zeit haben, voll auszureifen. Es liegt auch am Klima, dass es im Languedoc, Roussillon oder in der Provence weniger schlechte Weinjahre gibt als in Bordeaux, wo ein Regenguss im falschen Moment - zum Beispiel bei der Weinlese - oder eine zu frühe Frostnacht die Hoffnungen eines ganzen Jahres zunichte machen kann.

Copyright: Sandra Winters